Warum ausgerechnet Tech-Profis sich mit generativer KI so schwertun

Tech-Profis haben ein Problem mit generativer KI. Weil sie die Technologie zu gut verstehen. Das vorhersagbare Weltbild (deterministisch) bricht zusammen. Tech-Profis haben jahrzehntelang in einer Welt gelebt, in der Software einer einfachen Regel folgte: Gleiche Eingabe, gleiche Ausgabe. Reproduzierbar und vorhersagbar.

Generative KI spielt nach völlig anderen Regeln. Sie arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten (stochastisch). Dieselbe Frage, unterschiedliche Antworten. Das ist kein Fehler. Das ist gewollt. Für jemanden, der sein Berufsleben auf Kontrolle aufgebaut hat, ist das ein Schlag ins Gesicht.

Tests werden zu Gefühlen. In der Software-Entwicklung schreibst du einen Unit-Test: «Bei Eingabe A erwarte ich Ausgabe B.» Test läuft durch? Funktioniert.

Bei generativer KI kannst du höchstens prüfen, ob die Antwort «in etwa» stimmt. Ob sie «sinnvoll» erscheint. Ob sie sich «gut anfühlt».

Das sind keine technischen Kriterien. Das sind Gefühle. Und genau hier wird’s interessant.

Während Tech-Profis damit kämpfen, macht Marketing genau das seit Jahrzehnten.

Sie testen Kampagnen und schauen, ob’s sich «richtig anfühlt». Sie iterieren Headlines bis die Conversion stimmt. Marketing kann mit Unschärfe arbeiten. Mit Wahrscheinlichkeiten denken. Akzeptieren, dass nicht alles reproduzierbar ist. Und trotzdem damit produktiv sein.

Das Problem nun: Marketing kann keine Apps bauen. Keine Vector Databases aufsetzen. Keine RAG-Pipelines bauen. Keine APIs integrieren. Kein Prompt-Caching optimieren. Kein Deployment automatisieren.

All das Know-how sitzt bei den Tech-Profis. Und genau die müssen jetzt KI-Apps bauen. Mit einem Mindset, das dafür nicht gemacht ist. Die neue Superpower wird, «Loss of Control» als Designelement zu akzeptieren. Das ist nicht technisch schwer. Das ist emotional schwer.

Siehst du das auch in deinem Umfeld? Oder bin ich zu hart?