
Die KI versteht dich nicht. Das klingt hart, aber es ist wichtig, das zu verstehen: ChatGPT, Claude und Co. verstehen gar nichts. Sie rechnen. Und wenn du verstehst, WIE sie rechnen, bekommst du plötzlich viel interessantere Antworten.
Schreib mal in ChatGPT: «Vervollständige: Der Himmel ist…»
Was kommt? Vermutlich: » blau.»
Langweilig. Korrekt, aber langweilig. Warum macht die KI das?
Die KI denkt nicht wie ein Mensch. Sie rechnet Wahrscheinlichkeiten aus. Wenn du schreibst «Der Himmel ist…», durchsucht die KI ihre Trainingsdaten und findet:
- 80% «blau»
- 10% «grau»
- 5% «wolkenlos»
- …
Also wählt sie: «blau». Das wahrscheinlichste Wort. Das sicherste Wort. Das langweiligste Wort.
Nicht weil sie dumm ist. Sondern weil du ihr keinen Kontext gegeben hast.
Schreibst du stattdessen:
«Du bist ein Kinderbuchautor. Vervollständige poetisch und fantasievoll für 6-jährige: Der Himmel ist…»
Und plötzlich denkt die KI anders. Sie sucht jetzt in ganz anderen Bereichen ihrer Trainingsdaten:
- Kinderbuchautor → Texte für Kinder
- Poetisch → bildhafte Sprache
- Fantasievoll → kreative, ungewöhnliche Formulierungen
- Für 6-jährige → einfache Worte, spielerische Bilder
Mögliches Ergebnis:
«Der Himmel ist wie ein riesiges blaues Meer, in dem weisse Wattewolken schwimmen.»
Merkst du den Unterschied? Die KI ist kein schlechter Mitarbeiter. Sie ist ein Mitarbeiter ohne Kontext.
Wenn du einem neuen Teammitglied sagst: «Schreib mal was über den Himmel», wird auch er vermutlich «Der Himmel ist blau» schreiben. Weil er nicht weiss, wofür das ist. Für ein Kinderbuch? Einen Wetterbericht? Eine philosophische Abhandlung?
Das nächste Mal, wenn du eine generische, langweilige Antwort von der KI bekommst, frag dich nicht: «Warum ist die KI so dumm?»
Frag dich: «Welchen Kontext habe ich vergessen?»